Auch heute will ich Euch das Kalenderblatt nicht vorenthalten:
“Da man als Nichtraucher keine Ringe aus Rauch pusten kann, muss man sein Umfeld mit anderen Darbietungen verblüffen.”
Weiter geht es mit den verschiedenen Methoden, die einem das Aufhören erleichtern sollen/ sollen. Zunächst will ich mal die medikamentösen Mittel beleuchten.
Zyban
Der Wirkstoff ist Bupropion. Wie viele Medikamente wurde auch dieses eigentlich für etwas ganz anderes entwickelt. Der Wirkstoff ist ein Antidepressivum. Es ist ein sog. selektiver Noradrenalin und Dopamin Wiederaufnahmehemmer. Das führt zu einer vermehrten Konzentration dieser Transmitter im synaptischen Spalt und damit zu einer Stimmungsaufhellung. Irgendwann entdeckte der Hersteller zufällig, dass es bei der Raucherentwöhnung unterstützend wirkte.
Diese Nische wollten sie sich natürlich nicht entgehen lassen, forschten weiter und brachten 1997 in den USA Zyban auf den Markt. Im Jahre 2000 wurde das Medikament auch in Deutschland eingeführt und schlug ein wie eine Bombe.
Statistiken belegten den Erfolg. Zumindest blieben mit der Arznei mehr Nichtraucher, als mit Pflaster oder Placebo. Jene Statistik allerdings warf viele Fragen auf. Denn es wurden 3 verschiedene Zahlen genannt. 30, 23 und 18%. Welche ist wahr? Alle. Denn je nach dem, wie man den Nichtraucher definiert, trifft jede der Zahlen zu. 30% bezieht sich auf Personen, die mit Zyban 1 Woche lang nicht geraucht haben, also alle, die nicht wieder zu regelmäßigen Rauchern wurden. 23% betrifft alle, die erst nach 4 Wochen in die Statistik einbezogen werden, somit fallen alle Rückfälle in jenen ersten 4 Wochen raus. Und die 18%, eigentlich 18,4%, schließlich beinhaltet alle Personen, die in einem 1- Jahres- Zeitraum keine Zigarette angerührt haben (Quelle). Ich habe nach Studien geschaut, aber bisher noch keine gefunden. Wenn Ihr was habt, dürft Ihr es mir gerne verraten… Kosten: ca. 130€ für 100 Tabletten.
Nebenwirkungen können u.a. Kopfschmerzen, Benommenheit, Appetitlosigkeit, Gelenk- und Muskelschmerzen, Zittern, Angst und weitere sein, selten aber sehr gefährlich: es erhöht die Gefahr für Krampfanfälle. Weitere Nebenwirkungen könnt Ihr hier entnehmen… Thema Gewicht: Auch mit den Tabletten bleibt die Gefahr einer Gewichtszunahme, allerdings scheint sich das um die Hälfte zu verringern, wenn zum Wirkstoff Bupropion gleichzeitig Nikotinpflaster angewendet werden. Weitere Einzelheiten habe ich dieser Seite entnommen.
Champix
Wirkstoff ist hier Vareniclin, ein partieller Agonist bestimmter Nikotinrezeptoren. Dieser Wirkmechanismus führt dazu, dass der suchterzeugende Effekt des Nikotins verringert wird. Es ist ein relativ neues Medikament, es wird erst seit 2007 in Deutschland vertrieben. Wer mehr über die chemischen Einzelheiten wissen will, sollte diese Quelle besuchen. Man kann das Medikament in 28/52/114Stk pro Packung kaufen, 56stk kosten in etwa 100€.
In mehreren Studien wurde gezeigt, dass Champix eine höhere Erfolgsquote bei der Raucherentwöhnung hat, als beispielsweise Zyban. Die Quote sieht folgendermaßen aus:
Abstinenz 9-12 Wochen: Vareniclin ca. 45%, Bupropion ca 30%, Placebo ca. 18%
Abstinenz 9-24 Wochen: Vareniclin ca. 30%, Bupropion ca 20%, Placebo ca. 10%
Abstinenz 9-52 Wochen: Vareniclin ca. 23%, Bupropion ca 18%, Placebo ca. 9%
Lediglich 5% mehr schaffen es dauerhaft abstinent zu bleiben. Was für Nebenwirkungen gibt es bei Champix? Übelkeit, Schlafstörungen, Albträume und Kopfschmerzen. Patienten mit Schizophrenie oder einer bipolaren Störung sollten das Mittel meiden, da es im Verdacht steht, psychotische Symptome auszulösen. Wer die Studie “Varenicline, an α4β2 Nicotinic Acetylcholine Receptor Partial Agonist, vs Sustained-Release Bupropion and Placebo for Smoking Cessation” von David Gonzales, PhD et al. genauer lesen möchte, der sollte hier klicken. Im Gegensatz zum Zyban, mit dem man zusammen mit Pflastern wohl etwas weniger zunimmt, gibt es das bei Champix wohl nicht (Quelle). Champix hat keinen Einfluss auf das Gewicht, jedefalls keinen senkenden.
Detox
Dieses Medikament ist wohl weitaus weniger bekannt, als die beiden anderen. Ich habe jedenfalls noch nie davon gehört. Der Wirkmechanismus ist ähnlich wie bein Zyban. Es greift in das Neurotransmittersystem ein und hilft den Patienten insofern, als dass die Kippen nicht mehr schmecken und man ihnen ablehnend gegenüber steht. Zunächst bekommt man das Mittel injiziert, man fällt in eine kurze Narkose, am Tag darauf steigt man auf Tabletten um. Detox wird bei Entgiftungen eingesetzt. Weitere Fakten findet Ihr hier.
Vigabatrin
Dieses Medikament wird eigentlich im Kampf gegen die Epilepsie eingesetzt, aber es zeigt auch Wirkung im Kampf gegen die Zigarettenabhängigkeit. Es wirkt, indem der “Kick” entzogen wird. In Tierversuchen und auch beim Menschen wurde bewiesen, dass Vigabatrin den Kick, der durch das Zuführen des Suchtmittels ausgelöst wird, nicht mehr kommt. Er greift also in das Belohnungszentrum unseres Gerhirns ein (Quelle).
Fazit
Es gibt so einige Medikamente, die dem Willigen das Aussteigen erleichtern können. Den ersten Schritt und den ernsthaften Willen ersetzen sie jedoch nicht. Ohne den Anstoß kann man so viele Tabletten einwerfen, wie man will, die Sucht wird man dadurch alleine nicht los. Allenfalls können die Mittelchen einen dabei unterstützen. Aber es ist beim Aufhören wie immer im Leben: Ohne Fleiß kein Preis! Ich persönlich stehe diesen Medikamenten mehr als skeptisch gegenüber. Vieleicht mag die Erfolgsquote mit ihnen höher sein, als ohne sie, aber schlägt das Vorhaben trotz Zyban, Champix und Co. fehl, fängt das große Rattern in unserem Hirn an: “Wenn ich es nicht mal ohne Medikamente schaffen, dann schaffe ich es niemals”. Und solche Gedanken sind sehr, sehr gefährlich, im Zweifelsfall kosten sie uns das Leben. Deshalb mein Rat: Besinnt Euch auf Euren unbeugsamen Willen, sucht Euch weitere Hilfe, falls nötig, aber lasst die Finger von den Medikamenten!
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