Herzlichen Glückwunsch! Du hast es geschafft! Du geißelst deinen Körper seit sage und schreibe 549 Tagen nicht mehr. Es verging seit dem 16. März 2010 kein Tag mehr, an dem du dir eine Zigarette angezündet und diese geraucht hast. Du kannst wirklich stolz auf dich sein. Einfach nur toll! Und das für jemanden, der am Ende fast 2 Schachteln am Tag in die Luft geblasen hat. Bemerkenswert!
Liebe Leser verzeiht mir bitte diese Selbstbeweihräucherung. Das musste einfach mal sein. Manchmal muss man sich einfach nur selbst loben. Vor allem, wenn dies niemand im Umkreis tut. Weil sie alle noch rauchen. Zumindest fast alle. Und für Raucher gibt es nur zwei schlimme Dinge:
- 1. Mit der eigenen Sucht konfrontiert werden.
Das geschieht immer dann, wenn die Kippen zur Neige gehen. Und das passiert meistens abends, wenn es Wochenende ist und dummerweise kein Laden oder keine Tankstelle mehr geöffnet und kein Automat in der Nähe ist. Und wenn einer erreichbar wäre, dann regnet es, was runter kann. Der Blick in die fast leere Schachtel lässt ihnen das Blut in den Adern gefrieren, sie bekommen schon Schweißausbrüche bevor sie überhaupt die letzte angesteckt haben und fangen vorsichtshalber schon das Zittern an. Die Gedanken werden fortan durch die Fluppen diktiert:
Woher bekomme ich jetzt noch Zigaretten? Was ist, wenn ich keine mehr bekomme? Ist es schon zu spät um Thomas/Frank/Tanja/Max oder Sabine Mustermann anzurufen?
Was hilft dagegen? Vorausschauendes Denken. Ich gebe Rauchern ja normalerweise keine Tipps, außer dass sie aufhören sollen, aber ich will ja mal nicht so sein…
Das einzig probate Mittel gegen eine solche Situation ist: aufhören
Ihr habt in so einer Lage die Chance vom Zug in Richtung Lungenkrebs abzuspringen.
- 2. Mit ehemaligen Rauchern konfrontiert zu werden
Sie führen einem bewusst oder unbewusst, gewollt oder ungewollt vor Augen, was sie schon längst auch hätten tun sollen, es aber (noch) nicht geschafft haben. Ich weiß selbst noch ganz genau, was das für ein Gefühl war, wenn jemand mit stolz geschwellter Brust vor mir stand… Die mussten noch nicht mal großartig was in die Richtung „ich habs geschafft/hör doch endlich auch auf/Rauchen macht Lungenkrebs etc. pp“ sagen und schon hatte ich so eine blödes Empfindung in der Magengegend.
Jedenfalls kenne ich viele Raucher und von denen wird mich kaum einer beglückwünschen. Denn schließlich müssten sie ja dann zu etwas gratulieren, dass sie verteufeln: das Nichtrauchen. Ich kann dazu nur sagen: wer früher umdenkt, wird länger leben.
Ich habe einen Freund, der hat jahrzehntelang Rot Händle geraucht. Minimum eine Packung am Tag. Anfang diesen Jahres traf es ihn dann: Kieferkrebs. Es ist wohl allem Glück der Welt zu verdanken, dass er noch im Anfangsstadium war. Der halbe Kieferknochen wurde entfernt und dann wurde die Backe noch bestrahlt. Er hat seither nicht mehr geraucht. Aber unter den Auswirkungen leidet er noch immer. Im Mund sind die Schleimhäute total gereizt, quasi verbrannt (von der Bestrahlung), Essen ging lange nur über eine Magensonde und das droht nun wieder, denn es wird wieder schlimmer (also die Reizung der Mundschleimhaut) und und und. Er hat es geschafft, den Absprung. Wenngleich auch fast zu spät. Krebs kann jeden treffen. Und er kommt schleichend. Er ist nicht wie eine Grippe, die mit Pauken und Trompeten ihr Zelt aufschlägt und einen umhaut. Man entdeckte ihn bei meinem Freund, weil er einen Abszess an einem Zahn hatte. Dem Arzt kam das Gewebe verändert vor und schickte es zur Analyse ein. Das niederschmetternde Ergebnis: Krebs. Das hat ihn ganz schön erwischt. Aber wie gesagt: es geht ihm heute ganz gut. Doch er wird von unseren gemeinsamen Freunden – soweit ich das mitbekomme- nicht beglückwünscht.
Aber es ist toll, wenn man aufhört! Es ist verdammt noch mal eine Leistung! Schließlich muss man sich im Geiste von den Ketten der Sucht befreien. Rauchen ist eine Sucht, wie jede andere auch. Sie macht abhängig.
Und deshalb möchte ich allen Ex-Rauchern heute meinen Glückwunsch aussprechen! Ich gratuliere Euch ganz herzlich dafür, dass Ihr es geschafft habt. Aber nicht nur den Aussteigern möchte ich huldigen. Auch Euch, die Ihr noch als Raucher meinen Blog lest. Denn vielen davon unterstelle ich mal ehrliches Interesse. Und zwar, weil es in ihnen ein Gefühl gibt, dass das Rauchen vielleicht nicht ganz so toll ist. Weil sie langsam erkennen, dass es ihnen nicht gut tut. Also nun noch mal hoch offiziell:
Ich gratuliere Euch allen! Euch Rauchern, Euch Nichtrauchern, denen die gerade im Begriff sind, Nichtraucher zu werden und auch allen anderen!!!
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