Zwei Jahre bin ich nun Ex-Raucher. Ich habe den Absprung meiner Meinung nach geschafft. Ich bin clean, jedenfalls aktiv. Leider wohne ich noch bei meinen Eltern, die mutig weiter rauchen und das auch noch im Haus. So bin ich Tag für Tag dem Passivrauch ausgesetzt. Aber ich habe seit genau 731 Tagen (Schaltjahr) keine Zigarette mehr in den Mund genommen, geschweige denn mir eine angesteckt.
Mein Thema heute ist Krebs, Raucherkrebs. Was versteht man eigentlich unter dem Begriff „Krebs“? Es gibt unterschiedliche Definitionen dazu. Allgemein kann man sagen, dass darunter alle Neubildungen (Neoplasien) von Gewebe fallen, die dann Tumore (Schwellungen, Geschwulste) bilden. Tumore können benigne (gutartig) oder maligne (bösartig) sein. Krebs bezeichnet immer bösartige Gewebsveränderungen.
Aus gegebenem Anlass (in meinem näheren Umfeld gab es Erkrankungen) werde ich Euch heute über zwei Formen und deren Therapien berichten. Aus Gründen des Identitätsschutzes werde ich andere Namen und sie nur mit einem Buchstaben abgekürzt verwenden.
- Kieferkrebs
Was ist Kieferkrebs?
Kieferkrebs gehört zu den Krebsarten, die sich im Mund-/Rachen- oder Zungenbereich und den Wangen befinden. Dabei können natürlich auch die Nebenhöhlen befallen werden. Äußerlich kann der Krebs im Bereich der Lippen, der Gesichtshaut oder der behaarten Kopfhaut zu Tage treten. Kieferkrebs bezeichnet also den Krebs, der den Kiefer heimsucht. Diese Karzinome metastasieren (bilden Tochtergeschwülste) meist in den benachbarten Lymphknoten aus. Aber natürlich können sie auch in weiter entfernten zu finden sein.
Deutschlandweit ist die Neuerkrankungsrate auf ca. 11400 beziffert. Männer sind deutlich häufiger (zu 2/3) davon betroffen. Risikofaktoren sind Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum. Beides sind ja bekanntermaßen Zellgifte. Nähere Informationen dazu findet Ihr in den Quellenangaben (1).
M. rauchte am Tag etwa zwei Schachteln filterlose am Tag. Er ist Mitte Fünfzig und war seit etwa 30 Jahren Raucher.
M. ging wegen Schmerzen zum Zahnarzt. Dieser teilte ihm mit, dass er unter einem Zahn eine Zyste hätte und man sie operativ entfernen muss. Gesagt – getan. Routinemäßig schickte der Arzt eine Gewebeprobe zu einem Pathologen. Dann der Schock: Krebs! Nach vielen weiteren Tests stand es fest, dass es Kieferkrebs war. Glücklicherweise in der Anfangsphase, das heißt, er hatte noch nicht metastasiert (gestreut). Nun musste er wieder operiert werden, der Kiefer wurde grossflächig abgetragen und der Bereich wurde bestrahlt. Dabei wird natürlich nicht nur das bösartige Gewebe zerstört, auch das nicht befallene, bestrahlte Gebiet wird in Mitleidenschaft gezogen. M. hatte nun nur noch einen halben Unterkiefer und seine gesamte Mundschleimhaut der betroffenen Seite war quasi nicht mehr vorhanden. Jedes Schlucken war eine Qual für ihn, zudem wurde fast kein Speichel mehr gebildet. Sein Bartwuchs dort blieb ebenfalls aus. Ihm wurde eine PEG (perkutane endoskopische Gastrostomie, Magensonde) zur künstlichen Ernährung gelegt, da er nichts mehr essen konnte.
Das alles ist nun etwa 10 Monate her. Er hat noch immer kein neues Gebiss, die Mundschleimhaut hat sich noch nicht komplett regeneriert, sodass er nur extrem wenig gewürzte Nahrung zu sich nehmen kann, denn anderes bereitet ihm Schmerzen. Ihm wurde bei der OP, die den Kiefer abtrug, eine Art Platte eingesetzt, damit der geschwächte Knochen nicht bricht. Sie konnte mittlerweile entfernt werden. Wenn seine Schleimhäute sich wieder regeneriert haben, steht die Rekonstruktion seines Unterkiefers und der Zähne an. Wann das sein wird, steht noch in den Sternen. Es hängt – wie gesagt – von dem Status in seinem Mund an.
So in etwa kann man sich Kieferkrebs vorstellen:
Ein besonders schwerer Fall sieht so aus:
- Bronchuskarzinom
Was ist Lungenkrebs?
Die Lunge versorgt den Menschen mit dem Lebenswichtigen Sauerstoff. Er strömt durch Mund oder Nase in die Trachea (Luftröhre) über die Bronchien in die Bronchiolen und dort in die Alveolen (Lungenbläschen), in denen der Gasaustausch stattfindet, wobei die Erythrozyten (rote Blutkörperchen) CO2 abgeben und O2 aufnehmen, das sie dann im Körper verteilen. Der Hauptbronchus teilt sich am sog. Hilus in zwei Äste, die sich weiter verzweigen. Der rechte versorgt den aus drei Lappen bestehenden Lungenflügel. Der linke besteht nur aus zwei, denn dort sitzt das Herz, das natürlich Platz braucht.
Beim Lungenkrebs sind die Bronchien betroffen. Rauchen gilt als der wichtigste Risikofaktor dafür.
„Weltweit sterben pro Jahr mehr als fünf Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens, etwa 1,4 Millionen davon an Lungenkrebs. In Deutschland starben 2009 mehr als 29.000 Männer und über 13.000 Frauen an dieser Krebsart.“
Unter der Quelle (2) findet Ihr weitergehende Infos dazu. Wikipedia spuckt auch einiges dazu aus (3).
- Lungenkrebs
L. ist Ende Fünfzig und rauchte ebenfalls zwei Schachteln am Tag. Seit Ende 2011 hatte sie trockenen Reizhusten, der im Dezember in einer Lungenentzündung gipfelte. Die Ärzte im Krankenhaus, die ein Röntgenbild anfertigten, fanden nichts Besonderes. Ihr Hausarzt aber sah einen Schatten und diagnostizierte eben die Pneumonie Nach drei Phasen der Antibiose ging es ihr immer noch nicht besser und lies sich zu einem Lungenfacharzt überweisen. Dieser fertigte erneut ein Röntgenbild an und sah einen Schatten, der da nicht hätte sein sollen. Er überwies sie zum Radiologen, der ein CT durchführen sollte. Das Ergebnis: eine etwa 4cm große Raumforderung am linken Bronchus, der den Mittellappen versorgt. Mit diesem Ergebnis ging sie wieder zum Pneumologen, der eine Bronchoskopie anordnete. Dabei wird über die Nase oder den Mund ein Endoskop in die Lunge eingeführt. Am Ende ist eine Kamera, sodass der Arzt sieht, was dort los ist. Zudem war ein Greif- bzw. Schneidewerkzeug angebracht, mit der der Doktor Gewebeproben des Tumors entnehmen konnte. Wenige Tage später war dann gewiss, dass es sich um einen malignen Tumor handelt. Diagnose: Adenokarzinom! Glücklicherweise kein kleinzelliger. Diese sind besonders aggressiv, wachsen und metastasieren schnell. Zu den nicht-kleinzelligen zählen neben dem Adenokarzinom auch Plattenepithel- und grosszellige Karzinome.
Kurze Zeit später wurde sie in eine auf Lungenkrankheiten und besonders Lungenkrebs spezialisierte Klinik eingewiesen. Bei einer erneuten Bronchoskopie wurde die Diagnose eines Adenokarzinoms bestätigt. Doch es kam auch dabei raus, dass er in seiner damaligen Form, Lage und Ausdehnung inoperabel war. Kurativ war nichts zu machen. Ein einziger Strohhalm, an den sich alle klammerten, war, dass eine Chemotherapie den Tumor verkleinern und so eine Operation möglich machen würde.
Noch steht die erste Chemo aus und so ist Abwarten und Hoffen angesagt. Natürlich hat sie mit dem Rauchen aufgehört. Ihr engstes Umfeld versucht es.
Ich bezeichne solche Erkrankungen künftig nur noch als Raucherkrebs, denn genau das sind manche Arten dieser Krankheit. Sie sind vornehmlich durch das Rauchen verursacht.
Ein Adenokarzinom sieht so aus:
Hier kann man ein Plattenepithelkarzinom der Lunge sehen:
Unter einem kleinzelligen Bronchialkarzinom kann man sich folgendes vorstellen:
Und so sieht ein grosszelliges Bronchuskarzinom der Lunge aus:
Das schlimme ist, dass Erstsymptome oft und gerade bei Lungenkrebs erst auftreten, wenn es schon (zu) spät ist. Die Signale des Körpers werden nicht oder nicht richtig erkannt. Eine Therapie ist schwierig, weil die Kräfte der Betroffenen schon in Mitleidenschaft gezogen sind. Allzu oft ist eine kurative Behandlung (Heilung) nicht mehr möglich. Dann steht die Palliation (Linderung) im Vordergrund. Das kann mit Hilfe von Medikamenten geschehen, es können aber auch Operationen durchgeführt werden, die zum Beispiel einem an Lungenkrebs erkrankten Menschen einen oder mehrere Bronchien wieder etwas erweitern, sodass er mehr Luft bekommt. Beim palliativen Ansatz steht die Erhaltung und Verbesserung der Lebensqualität im Vordergrund.
Wer Rauchen nicht als Risikofaktor für Krebs wahrhaben will, der ist taub, blind stumm und dumm zugleich. Nichtrauchen rettet Leben – EUER Leben!
Quellen:
1: Deutsche Krebshilfe. Die blauen Ratgeber. Krebs im Mund-Kiefer-Gesichtsbereich. http://www.krebshilfe.de/fileadmin/Inhalte/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/012_mund_kiefer.pdf
2: Deutsche Krebshilfe. Die blauen Ratgeber. Lungenkrebs.
http://www.krebshilfe.de/fileadmin/Inhalte/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/010_lunge.pdf
3: Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Bronchialkarzinom#Gro.C3.9Fzelliges_Bronchialkarzinom
4: alle Bilder
http://alf3.urz.unibas.ch/pathopic/srch-f-thu.cfm






